“Doch hier, Heiliger Vater, stellt sich eine wichtige Frage: Bin ich festgelegt auf einen bestimmten Weg, wenn ich mich auf den Glauben einlasse? Kann ich nur so werden, wie Gott mich entworfen hat oder habe ich tatsächlich die Freiheit, auch einen anderen Weg einzuschlagen? Und was sind die Kriterien, die uns helfen einzuschätzen, ob Wünsche gottgegeben oder einfach nur eingebildet sind?“
„Es war, als hätte Frank einige meiner Überlegungen laut ausgesprochen, als hätte er mir in den Sinn geschaut. Ich überlege auch manchmal, ob ich Gott überhaupt hören kann. Wie würde ich Beten definieren? Bete ich richtig?“
„Egal, wo man hinschaut, überall begegnet uns Leid, was man nicht mit Selbstverschulden erklären kann: Morgens der Gedanke an und die Sorge um Kranke in der Familie, mittags von der Gesellschaft vergessene Obdachlose und einsam umherlaufende Gestalten auf der Straße, abends Katastrophen, tausendfaches Unglück in den Nachrichten. Wenn Gott allmächtig ist, wie kann er dann so einfach zuschauen?“
„Woher kommt ein Gefühl der Schuld oder der Verantwortung? Kommt es daher, dass ich wirklich etwas falsch gemacht habe, oder ist es nur ein Eindruck meines Gewissens, dass ich etwas falsch gemacht habe? Darüber hinaus überlege ich, ob ich an etwas „Schuld haben“ kann, wenn ich mir dessen überhaupt nicht bewusst bin. Oder was ich machen soll, wenn mein Verhalten positive und negative Folgen mit sich bringt?“
„...die einzige Sache, auf die wir meinen verzichten zu können, ist die Zeit für Gott und für unsere Nächsten. Diese Zeiten verschieben wir auf ein undefiniertes und damit auch ewig hinausgeschobenes „Später“. Was hilft uns, wach zu bleiben und nicht in den Alltagstrott zu verfallen?“
„Wie ist es einer Jugendlichen von 20 Jahren wie mir möglich, schon jetzt die richtigen Vorbereitungen zu treffen? An was kann ich erkennen, ob ich es bei meinem Gegenüber mit meinem zukünftigen Ehepartner zu tun haben könnte? Und am wichtigsten, Heiliger Vater: Was sind Merkmale, Qualitäten einer wirklich auf Ewigkeit und echte Liebe abzielenden Beziehung?“
„Heiliger Vater, ist nicht vielmehr die Haltung der Liebenden das Entscheidende? Hat das Führen meiner Beziehung überhaupt mit Gott zu tun oder lasse ich meinen Glauben hier Einfluss auf einen Teil meines Lebens nehmen, der gar nichts damit zu tun hat?“
„Lieber Heiliger Vater, wie kann ich mich angesichts all dieser gesellschaftlichen Herausforderungen richtig verhalten? Was sind die Stimmen, auf die ich hören soll? Wie bewahre ich als Frau eine Natürlichkeit und Authentizität ohne mich selbst aus der Gesellschaft auszuklinken?“
„Was verstehen Sie unter einem Leben, das frei, schön und groß, kurzum glücklich, ist? Und wo ist der Unterschied zu den Versprechungen eines rein materiellen Glücks? Wenn ich mich Jesus Christus ganz öffne, was habe ich dann meinen Freunden voraus?“
„…existiert eine Wahrheit? Und wenn sie existiert, wie kann man sie entdecken? Gehört der Glaube zu den Mitteln der Erkenntnis dieser Wahrheit oder kann etwa die Philosophie sie alleine ausmachen? […] Was für Konsequenzen sollte es für unser Leben haben, wenn wir etwa im christlichen Weltbild die Wahrheit gefunden zu haben meinen?“
„Ist der Glaube wirklich so naiv, etwas Gutes für andere Menschen zu tun zu wollen, auch wenn man sie nicht kennt? Ist mein Wunsch zu helfen einfach „jugendlicher Idealismus“, der sich abschwächt, sobald ich die „wirkliche Welt“ betrete? […] Wie kann ich meinem Idealismus und Aktivitätsdrang eine Dimension geben, die ihn über jede menschliche Entmutigung, über jeden Rückschlag hinweg trägt?“
„Ich frage mich mir daher auch immer wieder, ob in der Kirche praktizierter Glaube nicht einengt. […] Warum ist ein erfülltes Christentum ohne Kirche nicht möglich? Kann ich meine Beziehung zu Gott nicht auch anders aufbauen?“
„Es ist schon erstaunlich, dass junge Menschen sich mit dem Denken und Leben von Papst Benedikt XVI. so identifizieren konnten, dass es ihnen möglich war, zu wesentlichen Fragen des Menschen Stellung zu nehmen, und zwar in einer Weise, als wenn es der Papst selbst täte.“