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Veranstaltungen


11. Workshop für Mitglieder des Netzwerkes und Interessierte am 24. Oktober 2009


Zwischen Geist und Gespenst

Auf ihrem XI. Workshop setzt sich die Generation Benedikt mit dem II. Vatikanischen Konzil auseinander

Wohl kaum ein anderes Konzil der Kirche wird heutzutage so oft für die Legitimation von gegensätzlichen Ansichten gebraucht wie das II. Vatikanum. Es hat zu einer Öffnung der Kirche zur Welt hin geführt, aber in der Rezeptionsgeschichte auch zu vielen Missverständnissen - nicht zuletzt ein Problem der mangelnden Beschäftigung mit den zentralen Konzilsdokumenten.

Gerade junge Menschen, die das Konzil nicht selbst erlebt haben, stellen sich dabei oft die Frage, welcher Geist nun dem Konzil gerecht wird und welche Entwicklungen dem Konzil entgegenlaufen. Dieser spannenden Frage stellten sich acht Referenten beim XI. Workshop der Genreration Benedikt in Bonn. Über 120 größtenteils junge Menschen aus allen Teilen Deutschlands sind der Einladung zur Diskussion gefolgt. Schon morgens trafen sich viele der Teilnehmer und Referenten um eine gemeinsame Messe zu feiern, doch nicht im für viele gewohnten nachkonziliaren Ritus, sondern in seiner außerordentlichen Form. Die Teilnehmer konnten so im praktischen Vollzug ein Gespür für die Änderungen bekommen, die nach dem Konzil umgesetzt worden sind.

Der erste Referent des Tages, Weihbischof Dr. Klaus Dick, stellte die Anliegen Papst Benedikts im Bezug auf die Liturgiereform vor. Als theologischer Sachverständiger und Begleiter von Kardinal Frings, dem er aufgrund seiner Erblindung viele Konzilstexte vorlesen musste, war Ratzinger ein wichtiger Zeuge des Konzils. „Man kann wohl behaupten, dass es kein Wort gibt, das nicht unter den Augen Ratzingers gewesen ist“, so der Weihbischof. Daher sei es ein zentrales Anliegen Benedikts, dass man in der Interpretation des Konzils wieder mehr mit den Konzilstexten arbeite. „Papst Benedikt will diese Kirche wieder konziliar machen, damit Liturgie wieder der Lebensnerv der Kirche wird“, beschloss der Weihbischof seinen Vortrag.

Mit dem liturgischen Aufbruch nach dem II. Vatikanum befasste sich auch das erste Podium des Tages. Der Autor moderner Meditationstexte und progressive Theologe Josef Dirnbeck berichtete von der vorkonziliaren liturgischen Bewegung: „Wir wollten, dass das Volk wieder versteht, was dort vorne am Altar geschieht.“ Der Papst zeichne eine Karikatur der Fehlentwicklungen, die die positiven Errungenschaften verdecke, so Dirnbeck. Professor Helmut Hoping, Dogmatiker und Liturgiewissenschaftler aus Freiburg, beklagte die mangelnde Umsetzung der Konzilsdokumente: „Das Prinzip der organischen Liturgieentwicklung ist nicht berücksichtigt worden.“ Stattdessen sei man der Meinung gewesen, Liturgie sei etwas Willkürliches, was jeder selbstbestimmt abwandeln dürfe. Diese „Heuchelei“ im Umgang mit dem Konzil führe Sonntag für Sonntag zu Missbräuchen und sei meistens ideologisch bestimmt. Pfarrer Dr. Guido Rodheudt unterstützte Hoping in seinen Thesen: „Die Krise der Kirche fokussiert sich in der Krise der Liturgie.“ Wer nach eigenem Gusto die Liturgie ändere, stehe in der Gefahr, auch das Gottesbild zu ändern.

Die Frage „Quo vadis Piusbruderschaft?“, prägte den dritten Teil des Workshops. Pater Matthias Gaudron von der Piusbruderschaft war eingeladen worden, um über die Perspektiven der anstehenden Verhandlungen mit dem Vatikan zu sprechen. Schon zu Beginn stellte er fest, die Piusbruderschaft sei nie außerhalb der katholischen Kirche gewesen – er selbst fühle sich der römisch-katholischen Kirche zugehörig. Die Piusbruderschaft wolle vor allem eine Diskussion über das II. Vatikanum, welches ja keine Dogmen hervorgebracht habe und daher diskutierbar sei. Wie weit diese Diskussion gehen solle und was Bedingungen für eine Rückkehr der Piusbruderschaft seien, konnte er jedoch nicht abschließend erklären. Die Äußerungen des Bischofs de Galaretta, seines Zeichens Leiter der Delegation der Piusbruderschaft für die Gespräche beim Vatikan, er glaube nicht an ein Gelingen der Verhandlungen, teile er nicht, so Gaudron weiter. Selbst die Weihen in Zaitzkofen sehe er als „normales Weiterleben“ der Piusbruderschaft an und könne darin keinen Affront gegenüber Rom entdecken.

Das Programm wurde komplettiert durch ein weiteres Podium unter der Fragestellung „Das II. Vatikanum – ein Traditionsbruch?“. Auf die Frage nach zentralen Errungenschaften des Konzils nannte der Generalsekretär des ZdK, Dr. Stefan Vesper, die neu akzentuierte Stellung der Laien. Man habe mit dem Konzil frische Luft in die Kirche gelassen und den Christen ermöglicht, als Salzkorn in der Welt zu wirken. Dr. Peter Düren, Theologe und Mitarbeiter im Bischöflichen Ordinariat Augsburg, warnte vor einem lapidaren Umgang mit dem Wort „Geist“: „Den Geist kann niemand definieren und daher warne ich davor in Fantasie zu schwelgen!“ Vielmehr müsse man sich mit den Konzilstexten befassen, um auf den Kern des Konzils stoßen zu können. Die jetzige Rezeption des Konzils laufe in Teilen in eine falsche Richtung. Thomas Söding, Professor für Biblische Theologie, betonte die positiven Aufbrüche durch das Konzil: „Mit dem Konzil ist die Theologie endlich ins freie Feld getreten und Fächer wie die Bibelwissenschaften konnten entstehen.“ Gerade in dem Aufbruch der Geistlichen Gemeinschaften sehe er einen positiven Gewinn für die Kirche nach dem Konzil, wobei er sich noch mehr spirituelle Initiativen wünschen würde.

„Offen und sportlich“ solle es bei dem Workshop zugehen, hatte die Veranstalter der Generation Benedikt zu Beginn angekündigt. Gerade diese Offenheit dürfte bei vielen Teilnehmern zu einem besseren Verständnis und sichereren Umgang mit dem komplexen Thema „II. Vatikanum“ geführt haben. Es bleibt jedenfalls zu hoffen.